Kommentar zum GZ-Bericht

Wer’s sich leisten kann…

Von Werner Beckmann
Sport ist gut und sollte nach Kräften gefördert werden. Aber eben nach Kräften. Wenn die Stadt sich wirtschaftlich überhebt, damit ihre Bürger fit bleiben, ist keinem gedient. Spätestens seit dem Sportpark an der Rennbahn drängt sich der Verdacht auf, dass in der Kurstadt das Maß verloren geht.
Dabei muss nicht einmal mehr darüber diskutiert werden, ob beispielsweise 1,8 Mio. Euro für eine Leichtathletik-Anlage, die in der Regel knapp 200 Sportler nutzen, nicht zu viel sind. Wer s sich leisten kann .
Ganz erstaunlich wird es, wenn Politiker sich überschwänglich bei einem Verein bedanken, weil der sich unter Bedingungen bereit erklärt, ein KTW-Grundstück zu räumen, wenn ein Investor kommt. Vorausgesetzt, ihm wird dann eine neue Anlage gebaut.
Wohlgemerkt: Der Vertrag des Tennisclubs ist gekündigt. Ab 2010 könnte die Stadt das freie Gelände sofort offensiv vermarkten und bebauen. Und der Tennisclub müsste wie der Golf-Club Harz letztendlich selbst für seine Sportanlagen sorgen.
Die Argumentation, wenn ein Investor käme, müsste dieser eine neue Anlage finanzieren, ist eher ein schlechter Scherz. Wenn die Stadt überhaupt einen Investor findet, wird dem die Zukunft eines Sportvereins gelinde gesagt an einem rückwärtigen Körperteil vorbei gehen. Die neue Tennisanlage würde also den Verkaufserlös schmälern, letztlich doch aus dem Stadtsäckel finanziert.
Unterdessen kann aus diesem Stadtsäckel nicht einmal mehr der Schulsport (Schwimmen) problemlos finanziert werden. Und die KTW selbst werden nach einer Finanzspritze rufen. Und über den Straßenzustand wird schon lange nur noch routiniert lamentiert. Vielleicht sollten die nächsten Investitionen dann doch in Bereiche fließen, aus denen Rückflüsse zumindest zu erhoffen sind. Neues Gewerbe und vor allem neue Einwohner bedeuten bares Geld. Und wenn davon mal wieder zu viel da ist, finden sich auch in der Kurstadt sicher noch ein paar Motorsportfreunde, die eine Rennstrecke brauchen...